PETRA PELLINI
DER BADEMEISTER OHNE HIMMEL - Autorinenlesung
20. Februar 2026
19:30 Uhr
Schrannengasse 10
5411
Oberalm
+43 677 63277394
http://www.oberalm.bvoe.at/das-filzhofguetl
Petra Pellini – Eine wie Keine
Eine (so umsichtige Autorin) wie Petra Pellini hatten wir noch nie zu Gast: sie zeigte auf, dass wir statt eines Einzelzimmers ein Doppelzimmer gebucht hatten, bot unserer Partner-Buchhandlung Stierle/Hallein eine Signierstunde an, erschien frühzeitig zu Akklimatisierung und Tonprobe am Veranstaltungsort, stand einem unglücklich gefallenen Besucher händchenhaltend bei (Gute Besserung!), beruhigte das darob betrübte Publikum, war in den Farben des Covers bzw. der kultigen Bema-Schwimmflügerl gekleidet und trug Armbänder mit den Namen der Hauptpersonen ihres Buchs, las sehr ausdauernd und trank dabei Tee, verschenkte ein letztes Schirmkapperl mit dem Titel des Romans, klebte auf Wunsch rote Herzchen zu ihrer Widmung und beehrte abwechselnd beide Jausentische mit ihrer Gesellschaft: einen unvergesslichen Abend lang war sie als Person und mit dem Werk, aus dem sie las, eine von uns – mittendrin in unserer Gesellschaft und dem Leben! Auch den Umstand, dass der „Bademeister ohne Himmel“ gleich ein so überwältigender Erfolg wurde, verdankt die seit jeher Schreibende (man denke nur an „Anita in den Bergen“ in ihrem Schulheft) zunächst dieser Gabe, ihre Mitmenschen achtsam wahrzunehmen: die Alten, Dementen, die sie in Teilzeit betreute UND die Jungen, die unter ihrem Dach leben oder in ihrem offenen Haus verkehren. Sodann ihrer Hingabe und Disziplin, so lange am Text zu feilen, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden ist und der Verlag so wenig wie sonst nie zur Herausgabe beitragen musste. Und schließlich ihrem Talent, Trauriges und Ernstes so authentisch und originell zu durchdringen, dass man dennoch äußerst gut unterhalten wird und manchmal gar laut lachen muss. Insofern allerdings Rudi Carell und sein Sommerhit vorkamen, stellte sich nicht nur unser Obmann Peter Husty, sondern auch die Autorin selbst die erst aufzulösende Frage, wie dieser nostalgische, auf den deutschsprachigen Raum begrenzte Bezug etwa in der koreanischen Übersetzung funktioniert. Dass ihre (sensible und treffsichere) Darstellung der schwierigen Situation unserer post-corona-Jugend das Interesse des ostasiatischen Landes geweckt hatte, wusste Pellini hingegen ebenso mit berechtigtem Stolz zu vermelden wie die bald in orangefarbenen Seiten erscheinende paperback-Ausgabe.
I. S. – M.
Linda ist fünfzehn und würde am liebsten vor ein Auto laufen:
«Es gibt zwei Menschen, die mich von der Sache mit dem Auto abhalten. Kevin und Hubert.Kevin wohnt um die Ecke, ist voll intelligent und Hubert wohnt im dritten Stock und ist voll dement.»
Dreimal wöchentlich verbringt Linda den Nachmittag mit Hubert, um die polnische Pflegerin Ewa zu entlasten, die mit durchaus eigenwilligen Mitteln ihren Beruf ausübt. Mit Feingefühl und Humor begegnet Linda Huberts fortschreitender Demenz und versucht, die Erinnerungen des alten Bademeisters wachzuhalten: an die Sommer im Strandbad oder die Liebe zu seiner verstorbenen Frau Rosalie. Bis das Schicksal Lindas Pläne durchkreuzt …
Petra Pellini erzählt mit Wärme und Humor vom Erwachsenwerden und Vergessen und von einer einzigartigen Freundschaft. Die 1970 in Vorarlberg geborene Autorin lebt und arbeitet in Bregenz. Sie war lange in der Pflege demenzkranker Menschen tätig und gewann mit einem Auszug aus diesem Debütroman den Vorarlberger Literaturpreis 2021.